Das Bijou unserer Loge

In vielen Logen ist es üblich, dass die Mitglieder bei rituellen freimaurerischen Zusammenkünften ein sogenanntes „Bijou“, also ein Emblem oder Abzeichen ihrer Loge tragen – das gilt auch für unsere Loge.

Logenbijou der JL “Zum Totenkopf und Phönix” Berlin

Die heute gebräuchlichen Versionen unseres Bijous:
Links die „alte“ Fassung, rechts die optisch erneuerte Version aus dem Jahr 2014

Das Bijou unserer Loge entstand in seiner heutigen Form erst in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. Auch wenn es im Vergleich zu den Bijous anderer Logen auf den ersten Blick recht schlicht erscheinen mag, so enthält es doch eine tiefe logenspezifische Symbolik.

Die Darstellung der beiden Hauptsymbole unserer Loge, des Todtenkopfes und des Phönix, ist selbsterklärend. Gleiches gilt für das auf das Bijou aufgebrachte Gründungsdatum der Loge im Jahr 1772.

Die zunächst sehr minimalistisch und fast modern anmutende Farbgebung in Schwarz und Weiß kann sowohl freimaurerisch als auch historisch interpretiert werden:

Schwarz und Weiß

In freimaurerischer Hinsicht greift der Gegensatz von Schwarz und Weiß die Symbolik des sog. „musivischen Fußbodens“ auf, der durch seine schwarzweiße Musterung den Wechsel und Kontrast von Gut und Böse, Licht und Finsternis und anderen Polaritäten in der Welt farblich versinnbildlicht. Eine Symbolik, die letztlich auch schon in den Hauptsymbolen unserer Loge, dem Todtenkopf und dem Phönix, gleichermaßen zum Ausdruck kommt – weshalb das Bijou den Todtenkopf auf schwarzem, den Phönix hingegen auf weißem Grund darstellt.

Historisch betrachtet verweist das Schwarzweiß unseres Bijous auf die traditionellen Farben Preußens als dem ursprünglichen Herkunftsland unserer Loge. Gerade in der schweren Zeit des Neubeginns der Loge nach 1945 im zerstörten und isolierten Berlin scheint die Rückbesinnung auf die früheren goldenen Zeiten der Loge für unsere damaligen Brüder wichtig gewesen zu sein. Diese Vergangenheit vor Augen schufen sie mit der Farbgebung des Bijous eine subtile optische Referenz an die Ursprünge der Loge im Königsberg des 18. Jahrhunders.

Referenz an die geistlichen Ritterorden

Eine dritte Deutungsmöglichkeit des Bijous vereint schließlich die freimaurerisch-symbolische mit der historisch-konkreten Betrachtung:

Die Kreuzform des Bijous verweist deutlich auf die geistlichen Ritterorden des Mittelalters wie Templer, Johanniter und Malteser, welche ähnlich gestaltetete Kreuze als sichtbare Zeichen ihrer christlichen Ritterschaft trugen. Die geistlichen Ritterorden des Mittelalters spielen bei der Gründung des Freimaurerordens im Jahr 1770 und noch bis heute als ideelle Vorbilder eine wichtige Rolle – wobei diese Vorbildfunktion nichts mit dem bewaffneten Kampf und einem Rittertum im kriegerischen Sinne zun tun hat. Die Vorbildfunktion für die Ordensfreimaurerei liegt vielmehr darin, dass diese geistlichen Ritterorden -wie es die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland formuliert- „weltliche Bodenständigkeit und geistliche Disziplin zusammenführten“ – was sich in dem ideelen Bild des Templers, als der „kämpfende Mönch“ manifestiert.

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Das rote Ordenskreuz

In einer Reihe mit Templern, Johannitern und anderen christlichen Ritterorden ist an dieser Stelle auch der „Deutsche Orden“, ein ebenfalls in der Zeit der Kreuzzüge im Heiligen Land entstandener geistlicher Ritterorden zu nennen. Gegründet Ende des 12. Jahrhunderts in Akkon verlagerten sich die Aktivitäten des „Deutschen Ordens“ nach dem Scheitern der Kreuzzüge mit Beginn des 13. Jahrhunderts zunehmend in nordöstliche Gebiete des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, also auch in das Gebiet des späteren Preußen, wo der Orden bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts Bestand hatte und zeitweise staatsähnliche Strukturen aufbaute und unterhielt. Ordenstracht und Wappen des „Deutschen Ordens“ waren in schlichtem Schwarz und Weiß in Kombination mit Gold gehalten.

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Hermann von Salza
Hochmeister des Deutschen Ordens
im 13. Jahrhundert

Unser Bijou greift damit neben dem rein geographischen Aspekt Preußens durch die Farbgebung in Schwarz, Weiß und Gold gleichzeitig in idealisierter Form die Ästhetik des „Deutschen Ordens“ als Vorbild im Sinne einer geistlichen Ritterschaft auf, die auch der Ordenfreimaurer anstrebt.

Mit dem gleichzeitigen Bezug auf die historischen Wurzeln unserer Loge im preußischen Königsberg des 18. Jahrhunderts einerseits und die symbolischen Wurzeln des Freimaurerordens in den geistlichen Ritterorden des Mittelalters kreuzt sich der Lauf der Geschichte und schließt sich der Kreis.